Geschichtliche Entwicklung der Gemeinde Grebenhain

8. Jahrhundert -  Der erste urkundlich genannte Ort im Raum Grebenhain war dessen Nachbardorf Crainfeld ("Auf dem Krähenfeld"). Es lag verkehrsgünstig an der Kreuzung zweier mittelalterlicher Handelsstraßen. Als Amts- und Gerichtssitz eines Landadeligen und Sitz des Kirchspiels blieb Crainfeld über lange Zeit Hauptort unserer Region. Das reichgeschmückte Fachwerk des "Edelhof" (erbaut 1683) erinnert noch daran.

1067 - Erste urkundliche Erwähnung Grebenhains in einer Schenkungsurkunde als "Grefenhachon", Waldgehege eines Greven (Richter).

1329 - Die Töpfersiedlung Schershain in unmittelbarer Nähe der heutigen Siedlung Oberwald wird in einer Lehensurkunde des Landgrafen Hermann von Hessen bezeugt. Laut einer Urkunde aus dem Jahr 1556 damals bereits wieder "wüst gefallen".

15. Jahrhundert - Etwa am Ende des Eisenbergweges in Grebenhain wurde in unterirdischen Schächten Eisenerz abgebaut und in den Wäldern des Oberwaldes verhüttet. Bei einem Grubenunglück sollen 13 Bergleute umgekommen sein.

1429 -  Erste urkundliche Erwähnung des Grebenhainer Sees in einer Lehensurkunde des Eisenbacher Ritters Hermann. Seine Anlage ging vermutlich vom Kloster Fulda aus, das daran interessiert war, Fische für die Fastenzeit zu haben.

1586 -  Im sog. Großen Erbvertrag der Riedesel sind auch alle acht Grebenhainer Mühlen aufgezählt. Ansonsten war die Region bis in unser Jahrhundert hinein weitgehend landwirtschaftlich orientiert.

1646 -  Im Dreißigjährigen Krieg wurde Grebenhain durch kaiserliche Soldaten nahezu vollständig zerstört und geplündert. Dem Feuer fielen 42 Gebäude und ein Teil der Kirche zum Opfer. Nur 3 Häuser blieben übrig. Grebenhain soll in dieser Zeit eine kleine Wasserfestung gewesen sein. Die Befestigungsanlage bestand aus dem mittelalterlichen Teich im Westen sowie aus 5 m breiten und 3 m tiefen Wallgräben, die bei Bedarf mit dem Wasser des Teiches gefüllt wurden.

1789 -  Der hessische Landgraf verkauft das trockengelegte Teichgelände an die Gemeinde Grebenhain; der Teich wird in Acker- und Wiesenflächen umgewandelt.

Der Teichhof (Hausname "Mäuerfellches", bis in unser Jahrhundert Bauernhof), gehörte ebenfalls zum Besitz des hessischen Landgrafen. Hier waren die herrschaftliche Verwaltung und die gräfliche Oberförsterei untergebracht.

1839 -  Grebenhain erhält durch den Bau der Staatsstraße (1834-1857) von Herbstein nach Gedern eine breite Ortsdurchfahrt. Die neue Staatsstraße verändert nicht nur das Ortsbild, sondern stellt auch die Weichen für die zukünftige Entwicklung des Dorfes. Vor allem die Gewerbebetriebe profitieren von der günstigen Verkehrsanbindung Grebenhains, etwa die Händler (Lieferung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen nach Frankfurt) und die Besitzer der Unteren Ahlmühle (Getreide aus der Wetterau wurde in den Ahlmühlen gemahlen und auch dort zu Brot verbacken; Brotlieferung bis in 5o km Umkreis).

1857 -  Eine erste Postexpedition wird im damaligen Schulhaus errichtet, mit täglichem Botengang nach Herbstein und Gedern. Ab 1860 gibt es eine Fahrpostverbindung. Der Land- und Gastwirt Strauch ("Zur Krone") wird Posthalter. An dem schönen Fachwerkhaus (gegenüber Lebensmittelgeschäft Schäddel) ist heute noch die Toreinfahrt für die Postkutschen zu sehen.

1895 -  An der Einmündung der Crainfelder Straße in die Hauptstraße entsteht ein neues Schulhaus, das bereits im Jahr 1905, bedingt durch den Zuzug kinderreicher Eisenbahnerfamilien, aufgestockt werden muß (heute Galerie Alte Schule). Schulunterrricht wurde bereits seit dem 17. Jh. in einzelnen Dörfern erteilt, anfangs reihum in den Gehöften, Schulbauten gab es erst im 19. Jh.

1901 -  Durch den Bau der Vogelsbergbahn, zuerst von Lauterbach nach Grebenhain, dann 1906 durch den Ausbau der Strecke nach Gedern, erhält Grebenhain eine Bahnverbindung in die Wetterau und nach Frankfurt. Mit der Bahn waren die Ortschaften um Grebenhain für Sommerfrischler und Wintersportler aus dem Raum Frankfurt gut erreichbar.

Die Landstraße zwischen dem neu erbauten Bahnhof und dem Dorf wird zur Bahnhofstraße. Neben zwei Wohngebäuden für Bahnbedienstete entstehen zahlreiche private Wohnhäuser und einzelne Gewerbebetriebe entlang der Straße. Aus dem ursprünglichen Haufendorf Grebenhain wird ein Straßendorf.

1936 -  Beginn der Bauarbeiten für die "Luftmunitionsanstalt Hartmannshain" (=Muna) im heutigen Ortsteil Oberwald. Neben dem großflächigen Bunkerbereich für die Lagerung und die Endmontage von Luftwaffenmunition entstehen mehrere Wohn- und Verwaltungsgebäude. Die unsachgemäße Sprengung der Bunkeranlagen bei Kriegsende 1945 läßt zahlreiche Sprengtrichter entstehen und führt zu einer Belastung des Geländes, die aufwendige und kostspielige Sanierungsarbeiten notwendig machte.

1947 -  Auf dem Gelände der ehemaligen Munitionsanstalt entstehen Industrieansiedlungen mit bis zu 350 Mitarbeitern, begünstigt durch den Zuzug von Heimatvertriebenen.

Die weitere Entwicklung Grebenhains ist gekennzeichnet durch die Ansiedelung von Handwerks- und Gewerbebetrieben auch in den benachbarten Dörfern (Nösberts, Metzlos-Gehaag u.a.).

1971 / 72 -  Eine überörtliche Bedeutung erhält der Ort durch die Gemeindereform, in der sich 15 Ortschaften zur Großgemeinde Grebenhain zusammenschließen. Die Verwaltung der Großgemeinde, die Mittelpunktschule und spätere Gesamtschule , die Ansiedlung von Einzelhandelsgeschäften sowie zwei Krankenhäuser (Oberwaldklinik, Vogelsbergklinik) schaffen weitere Arbeitsplätze.

Grebenhain hat sich von einem landwirtschaftlich geprägten Dorf zu einer modernen Landgemeinde entwickelt.

Quelle: "Grebenhain: Geschichte und Gegenwart der Dörfer im südöstlichen Vogelsberg". Arbeitskreis Dorfgeschichte Grebenhain. 1995. 

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